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Stress als Ursache: Warum Erschöpfung und Sucht dieselbe Wurzel haben

Stress als Ursache: Warum Erschöpfung und Sucht dieselbe Wurzel haben

In den meisten Erzählungen über Sucht beginnt die Geschichte mit der Substanz. In der Praxis beginnt sie meistens früher – mit einem Zustand, der irgendwann nicht mehr auszuhalten war.

Der Zustand vor der Substanz

Wer dauerhaft unter Druck steht, lebt in einer Dauerspannung. Der Körper schaltet nicht ab, weil die Lage keinen Abschluss hat: Die nächste Deadline kommt, das nächste Gespräch, die nächste Entscheidung.

Was fehlt, ist nicht Erholung im Sinne von Urlaub. Es fehlt die Erfahrung, dass es aufhört. Dass ein Tag endet, ohne dass er weiterläuft.

Genau in diese Lücke kommt der Alkohol. Nicht als Genussmittel, sondern als Schalter. Für viele Menschen ist das der erste Moment, in dem sie seit Wochen das Gefühl haben, dass die Spannung nachlässt.

Warum das funktioniert – und warum es nicht bleibt

Der Schalter funktioniert. Deshalb wird er wieder benutzt. Und deshalb wird die Dosis irgendwann angepasst, weil der Körper sich anpasst.

Gleichzeitig verschwindet das, was den Stress ursprünglich verursacht hat, nicht. Es wird nur besser ausgehalten. Der Schlaf wird schlechter, die Erholung kürzer, die Belastbarkeit geringer – und damit wächst der Stress, aus dem man aussteigen wollte.

So entsteht ein Kreislauf, in dem beide Seiten sich verstärken: mehr Stress, mehr Schalter, weniger Erholung, mehr Stress.

Warum Führungskräfte besonders betroffen sind

Menschen in Verantwortung haben drei Merkmale, die diesen Kreislauf begünstigen.

Was bei anderen als Warnsignal auffällt, wird hier zur Normalität erklärt. Der Feierabenddrink ist Teil der Rolle.

Der Punkt, an dem Stress zur Sucht wird

Die Grenze ist nicht die Menge. Sie ist die Funktion.

Solange Alkohol benutzt wird, um einen schönen Abend zu verlängern, ist er ein Genussmittel. Sobald er benutzt wird, um einen Zustand zu beenden, ist er ein Werkzeug. Und Werkzeuge werden regelmäßig benutzt.

Diese Unterscheidung ist unangenehm, weil sie unabhängig von der Menge gilt. Wer zwei Gläser am Abend braucht, um abzuschalten, hat ein anderes Verhältnis zum Alkohol als jemand, der einmal im Monat eine Flasche Wein teilt – auch wenn die Wochenmenge gleich ist.

Warum Erholung nicht dasselbe ist wie Pause

Die meisten Menschen in dieser Lage haben Pausen. Sie haben Wochenenden, Urlaube, vielleicht ein Sabbatical geplant. Und sie stellen fest, dass es nicht reicht.

Der Grund ist einfach: Eine Pause unterbricht die Belastung, aber sie verändert die Bedingungen nicht. Wer nach zwei Wochen zurückkommt, kommt in dieselbe Struktur zurück – und ist nach wenigen Tagen wieder an derselben Stelle.

Erholung braucht deshalb mehr als Zeit. Sie braucht eine Veränderung dessen, was den Stress erzeugt, und eine Erfahrung davon, dass es auch anders geht. Ohne diese Erfahrung bleibt jede Pause eine Unterbrechung.

Die drei Ebenen

Wer nur an einer Stelle ansetzt, kommt nicht weit. In der Praxis zeigen sich drei Ebenen, die zusammenwirken.

Deshalb beginnt die Arbeit auf Gozo nicht mit einem Verbot, sondern mit einer Bestandsaufnahme. Was hält Sie gerade? Und was davon würden Sie behalten, wenn Sie die Wahl hätten?

Was sich unterbrechen lässt

Wenn Stress und Substanz denselben Ursprung haben, reicht es nicht, nur eine Seite zu bearbeiten. Wer nur den Alkohol entfernt, lässt den Zustand stehen, der ihn nötig gemacht hat.

Deshalb beginnt die Arbeit auf Gozo nicht mit der Frage „wie viel trinken Sie", sondern mit der Frage, was der Alkohol übernommen hat. Welche Aufgabe, welche Stunde, welches Gefühl.

Erst wenn diese Funktion benannt ist, lässt sich etwas anderes an ihre Stelle setzen – und zwar etwas, das auch in der nächsten Krise trägt.

Wer den Schalter austauscht, aber die Spannung lässt, hat nichts verändert. Nur das Werkzeug.

Wann es Zeit wird

Es gibt keinen Grenzwert, ab dem ein Gespräch nötig wird. Es gibt nur Anzeichen, die man selbst bemerkt und lange nicht ausspricht.

Wenn Sie zwei dieser Punkte wiedererkennen, ist das kein Grund zur Panik. Es ist ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch – deutlich besser als der, an dem es nicht mehr freiwillig ist.

Der nächste Schritt

Wenn Sie das Gefühl kennen, dass der Feierabend nicht mehr ohne Hilfsmittel beginnt, ist das ein Anlass, darüber zu sprechen – nicht zwingend ein Grund zur Sorge.

Das erste Gespräch ist vertraulich und unverbindlich. Es dient dazu, die eigene Situation klarer zu sehen, nicht dazu, jemanden zu überzeugen.

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